Mai 2005 - Artikel der Schwabmünchner Allgemeinen

Reiten ist nicht nur etwas für Leute mit Geld. In Schwabmünchen an der Leonhard-Wagner-Realschule wird es jetzt sogar an der Schule angeboten, und zwar eventuell fast kostenlos.

„So, und jetzt lasst mal die Zügel los und umarmt euer Pferd ganz fest“, ruft Sandra Schwalm durch die Halle des Reit- und Fahrvereins Schwabmünchen. Sie ist nicht nur eine engagierte junge Sportlehrerin an der Realschule in Schwabmünchen, sondern auch begeisterte Reiterin mit Amateur-Reitlehrerschein und Ausbildung zur Reit-Richterin. Vor ihr stammt die Idee, Reiten für Anfänger als differenzierten Sportunterricht anzubieten.

Und sie rannte auch bei der Schulleitung und Schulleiter Hans Lippert offene Türen ein. Das Genehmigungsverfahren war unproblematisch und schnell erledigt. So konnte jetzt der Kurs mit zehn Doppelstunden starten, und zwar mit zwei Buben und zehn Mädchen vor allem aus den Klassen fünf und sechs. Zur Unterstützung hat sich Schwalm drei reiterfahrene Mädchen aus der Neunten geholt, die ihr bei allen kleinen und großen Problemen während der ungewöhnlichen Sportstunde zur Seite stehen.

Währen dem Trensen der Schulpferde erzählt die Sportlehrerin: „Anfangs waren die Kinder laut, ängstlich und aufgeregt, weil sie nichts so recht wussten, was sie erwartet. Das machte die Pferde scheu. Aber inzwischen hat sich das alles schon normalisiert und eingespielt. Die Kinder machen begeistert mit und haben viel Spaß am Unterricht.“ Trotzdem: „Disziplin ist in der Reithalle eines der wichtigsten Gebote, dann sonst ist das Reiten viel zu gefährlich“, erklärt die Lehrerin, die einen sehr umgänglichen Ton bei den Mädels und Jungs anschlägt.

Natürlich wurden die Reitstunden in der Schule theoretisch vorbereitet, um Verständnis bei den Anfängern für die größtenteils völlig neue Materie zu erzeugen. Und noch eins muss gelernt werden: Zum Reiten gehört nicht nur, hoch im Sattel zu sitzen, sondern auch, das Pferd vorzubereiten, zu putzen, zu misten und vieles mehr. „Die Kinder lernen ganz nebenbei auch, sich gegenseitig zu helfen, dann sonst ist der Unterricht nicht möglich“, weiß Schwalm, die in dem Pilotprojekt auch noch andere Vorteile sieht: „Es ist für unsere Kinder eine ganz neue Möglichkeit, Freizeit sinnvoll zu verbringen, und das dank des Reit- und Fahrvereins für ganz wenig Geld.“

Und Schulleiter Hans Lippert, der selbst geringfügig Reiterfahrung hat, freut sich über das neue Sportangebot an seiner Schule: „Wir werden versuchen, die Kosten für die Schüler noch weiter zu reduzieren und von unserer Seite zu unterstützen“, erklärt wer und beobachtet begeistert, wie die kleinen Reiterinnen und Reiter erste Übungen auf dem Pferd absolvieren und sich immer mehr an das Tier gewöhnen.

Glücklich über das neue Angebot der Schule ist aber auch der Verein, denn der erhofft sich, dass die Schüler nach dem Projekt Mitglied im Verein werden. Nachwuchsförderung mal auf eine ganz andere Art.